Bericht über eine Reise des Geschichtsvereins Bietigheim-Bissingen zu den wichtigsten Orten des Bauernaufstandes in Thüringen (23. - 26.07.2025)
In diesem Jahr sind 500 Jahre vergangen seit dem deutschen Bauernkrieg, der ersten umfassenden Freiheitsbewegung in Deutschland. Der Bauernkrieg begann in Südwestdeutschland und fand sein blutiges Ende in der Schlacht von Frankenhausen in Thüringen. Aus diesem Anlass führte die diesjährige Reise des Geschichtsvereins nach Mühlhausen in Thüringen.
Zuerst besuchte die Bietigheimer Reisegruppe die Stadt Schmalkalden, wo im Jahre 1531 der Schmalkaldische Bund gegründet wurde, ein Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten und Städte gegen die Religionspolitik des Kaisers Karl V. Im Rathaus zeugen davon prächtige Wappen der beteiligten Städte. In der schönen spätgotischen Hallenkirche hat Martin Luther gepredigt. Ein kurzer Anstieg führte die Bietigheimer von der Altstadt hinauf in das Renaissance-Schloss Wilhelmsburg, in dem die helle kleine Schlosskirche, eine der ältesten protestantischen Kirchen in Deutschland, besonders beeindruckte. Ihr kostbarster Besitz ist die älteste noch spielbare Orgel mit hölzernen Pfeifen in Europa.
Mühlhausen, wo die Bietigheimer Reisegruppe ihr Standquartier hatte, war einst eine bedeutende freie Reichsstadt und in der frühen Neuzeit die zweitgrößte Stadt Thüringens. Davon künden überraschend viele Kirchen, allein sechs innerhalb des Mauerrings der Altstadt. Sie sind im heimischen Travertin-Stein errichtet und dominieren nach der Restaurierung mit ihrer strahlenden Helligkeit Straßen und Plätze. Die Stadtführerinnen wiesen darauf hin, dass die Stadt in der Umwidmung der nicht mehr benötigten Kirchen besonders kreativ war, sie dienen heute als Bibliothek, Museum, Theaterraum. In der Marienkirche predigte der radikale Reformator Thomas Müntzer, der in der DDR besonders verehrt wurde. Die Kirche ist eine Müntzer-Gedenkstätte und zeigt jetzt in der Ausstellung zum Bauernkriegsjubiläum das bäuerliche Leben um 1500 und die drückenden Lasten, die zum Kampf der Bauern für Freiheit und Gerechtigkeit führten. An der Kirche Divi Blasii in Mühlhausen wirkte ein Jahr lang der junge Johann Sebastian Bach als Organist – seine Musik brachte der heutige Organist für die Reisegruppe zum Klingen.
Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch des Panorama-Museums in Bad Frankenhausen, genau am Ort der Schlacht von 1525, die Tausenden von aufständischen Bauern den Tod brachte. Die DDR-Führung wollte mit einem riesigen Panorama-Bild den Bauernaufstand und Thomas Müntzer verherrlichen. Der Leipziger Künstler Werner Tübke übernahm den Auftrag und arbeitete elf Jahre an dem Bild, aber er weitete das Thema aus zu einem überwältigenden Welt-Gemälde, das das Leben in der frühen Neuzeit in der harten Realität und den utopischen Fantasien und Hoffnungen zeigt. Im Kontrast dazu feiert das Kyffhäuser-Denkmal, das die Reisenden danach besuchten, die Obrigkeit in Gestalt von Kaiser Wilhelm I. und huldigt dem Traum von der erhofften Wiederkehr des Stauferkaisers Friedrich Barbarossa.
Den Abschluss der Reise bildete ein Besuch in Erfurt. Die Stadt feiert dieses Jahr den steinernen Neubau der Krämerbrücke vor genau 700 Jahren. Die Brücke ist auf beiden Seiten mit schönen Fachwerkhäusern bebaut, in denen sich zur Straße hin kleine Galerien und Läden öffnen, die kunstgewerbliche Objekte und Thüringer Spezialitäten anbieten. Dort kredenzten die Stadtführer der Reisegruppe kleine Waffeln mit Eierlikör und wunderbare Brückentrüffel – damit sie den Geschmack Thüringens auf der Zunge behalten sollten.
Alle Reisenden, die Thüringen in den Jahren nach der Wende schon einmal besucht hatten, waren sehr beeindruckt, wieviel die Menschen dort inzwischen an Wiederaufbau und schöner Restaurierung geleistet haben.